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Ich falle - making off

Warum: Ich wollte schon immer mal ein Bild im Sinne von "levitation" machen. Da kam mir die Aufgabe "falle" von Happy Shooting und ein freier Abend gerade recht.

Die Geschichte: Als ich gerade ein paar Erdnüsse zum Wein holen wollte stellte ich mir selbst einen Tisch und flog hektisch über'n Ecktisch.

Materialien

Stolperer (hektisch über'n Ecktisch)
Schuft (schiebt den Tisch)
Hocker zum Aufknien (im finalen Bild nicht sichtbar)
Stuhl mit Lehne zum Aufstüzten (im finalen Bild nicht sichtbar)
Weinglas zum Kaputtmachen (im finalen Bild nicht sichtbar)
Weinglas zum Um die Dynamik zu erstellen
Etwas Rotwein oder Traubensaft
Etwas Tesafilm
Ein Schälchen Erdbeern (zum essen)

Schritt 1 - Aufbau

Erst mal die Möbel so stellen wie sie IMMER im Bild sein werden. Die dürfen anschließend nicht verrückt werden.

Schritt 2 - Licht und Kamera

Betriebsmodus manuell
Brennweite 12 mm (in etwa 24 mm Kleinbildformat)
Blende F3.5
Belichtungszeit 1/100s
ISO 200
Blitz manuell

Alle Einstellungen werden manuell vorgenommen, um reproduzierbare Belichtung, Komposition usw. zu erhalten. Kamera und Licht sind selbstredend auf einem Stativ montiert.

Ausschnitt und Komposition auswählen. Dabei ist zu beachten, dass alle Bildteile die nacheinander fotografiert werden auf den einen, fixen Bildausschnitt passen.

Der Fokus sollte auf dem Geschehen liegen. In diesem Fall auf dem Gesicht des Fallenden. Ja, genau die etwas erstaunte Fratze im Vordergrund.

Die Blende wird auf f3.5 eingestellt, da mein Kitobjektiv nicht mehr her gibt.

Die Belichtungszeit von 1/100 s ist hier evtl. sogar etwas zu kurz, da man draußen für meinen Geschmack noch zu viel sieht. Aber das fällt erst bei viel späterer Betrachtung auf.

ISO200 für vernünftige Bildqualität, obwohl es mir hier gar nicht darauf an kommt.

Den Blitz wird manuell so eingestellt, dass er absolut das dominante Licht ist. Damit können die Schatten besser kontrolliert werden. Wenn Schatten da auf den Boden fällt, wo der Hocker ist auf dem ich knie beißen sich Hocker und Schatten. Der Hocker muss raus aus dem Bild, der Schatten muss drin bleiben. Also wird das Hauptlicht so tief eingestellt, dass der Stolperer selber keinen Schatten auf den Boden werfe, um die "Demontage" des Hockers im Bild zu vereinfachen.

Schritt 3 - Ich falle

Als erstes Bild wird ein Bild vom Stolperer im Fallen aufgenommen. Ein kleiner Hocker hinter dem Couchtisch dient als Sockel für das Knien, ein Stuhl vorne links als Stütze.

In diesem Bild muss der Fokus auf dem Gesicht liegen. Wenn das so ist ist es gut und danach wird der Fokus nicht mehr verstellt.

Hocker und Stuhl verlassen die Bühne und eine weitere Aufnahme folgt, in der der Stolperer hinter dem Tisch steht und eine ähnliche Pose macht. Das kann später mit den Schatten helfen.

Schritt 4 - Leeres Bild

Der Protagonist verlässt die Bühne, eine weiter Aufnahme des nackten Orts des Geschehens wird gemacht.

Schritt 5 - Der Schuft

Der Schuft sitzt auf dem Sofa und schiebt mit grausamen Grienegrinsen dem Stolperer den Tisch vor das Knie. NEIN! er tut nur so. Der Tisch darf sich nicht bewegen!

Gut ist, wenn sich die Protagonisten überlappen, das sorgt für räumliche Tiefe.

Doof ist, wenn sich die Protagonisten überlappen, das sorgt für mehr Arbeit in der Postproduktion.

Schritt 6 - Das rechte Weinglas

Um das rechte Weinglas schräg zu halten klebt oben ein bisschen Tesafilm mit dem das Glas in die Schräge gezogen wird.

Schritt 7 - Das linke Weinglas kaputt machen

Um das Weinglas schräg zu halten klebt oben ein bisschen Tesafilm mit dem das Glas in die Schräge gezogen wird. Um es kaputt zu machen stelle man sich so tölpelhaft an, dass der Tesafilm sich löst, das Glas auf dem Tisch zerschellt und der Traubensaft sich über das Set ergießt.

- Putzen -

Derweil können auch die Erdbeeren verzehrt und die Flasche aufgeräumt werden. Zu viel im Bild macht das Bild auch nicht besser.

Schritt 8 - Das linke Weinglas

Um das linke Weinglas schräg zu halten klebt oben ein bisschen Tesafilm mit dem das Glas in die Schräge gezogen wird.

Schritt 9 - Die Montage

Die oben erstellten Bilder werden nun im Bildbearbeitungstool der Wahl (hier GIMP) als einzelne Ebenen eingefügt. Die oberen Ebenen bekommen eine Ebenenmaske, in der die Relevanten Teile hervorgehoben werden.

linkes Weinglas: Alles außer dem linken Weinglas wird durchsichtig.

rechtes Weinglas: Alles außer dem rechten Weinglas wird durchsichtig.

Der Stolperer: Ist eigentlich das Hauptbild. D.h. der Stolperer muss sichtbar bleiben. Der Hocker, der Stuhl und der Teil des Schuftes werden durchsichtig. Ebenso werden die Teile des Schattens aus der Ebene darunter die wichtig sind durchsichtig.

Der Stolperer - Schatten: Hier wird der Teil durchsichtig gemacht der den Schuft zeigt.

Der Schuft: Der hat es nicht verdient weiter oben zu sein und bekommt weil er so frech war auch keine Ebenenmaske

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Kommentare: 2
  • #1

    Holger Slaghuis (Donnerstag, 24 August 2017 12:37)

    Sehr schön gemacht und prima Making of!

  • #2

    Jan (Donnerstag, 24 August 2017 16:49)

    Klasse Sache! Gefällt mir sehr gut! :)